21. Zwei Wölfe
22. Das goldene Verpackungspapier
23. Das Urteil der Mitmenschen
24. Der verzagte Baumwollfaden
25. Der weise alte Mann
26. Das Brot der Hoffnung
27. Das Adler-Ei
28. Wettlauf der Frösche
29. Das bist ´Du - Tat twam asi
30. Am Suchen
1. Die Verleumdung
2. Mach den ersten Schritt
3. Vorstellung und Wirklichkeit
4. Der alte Großvater und sein Enkel
5. Die Weisheit des Universums
6. Das Geheimnis des Lebens
7. Die Frösche und das kochende Wasser
8. Den Augenblick leben
9. Jetzt reicht es aber
10. Alles ist gut so wie es ist
11. Adler oder Muschel
12. Anbetung
13. Die Palme
14. Über das Glück
15. Keine Zeit
16. Das Glück ist ein Schmetterling
17. Lebenslange Geburt
18. Das Geschenk
19. Himmel und Hölle
20. Die 3 Siebe
31. Der Prinz und der Zauberer
32. Der Seuchengott
33. Das Hühner-Ei
34. Wie Weisheit kommt
35. Ein Teelöffel Salz
36. Die Wildgänse
37. 17 Kamele
38. Licht
39. Der Traum
40. Pass gut auf meine Augen auf
41. Der Preis
42. Der Samen
43. Motivation
zurück
Die Verleumdung
Ein Mann wohnte in einem kleinen Dorf. Eines Tages erfuhr er, dass ein Nachbar über ihn schlecht geredet hatte.
Es waren böse Gerüchte und er stellte den Nachbarn zur Rede. Der Nachbar entschuldigte sich ganz kleinlaut und meinte:
"Ich werde es bestimmt nicht wieder tun! Ich nehme alles zurück, was ich über Sie erzählt habe."
Der Mann sah den Nachbarn schweigend und ernst an.
Nach einigen Minuten sagte er: "Gut, ich verzeihe Ihnen, aber eine kleine Strafe werde ich Ihnen schon noch auflegen!."
"Alles was Sie möchten!" erwiderte der Nachbar schnell, froh, dass der Mann ihm nun wohl nicht böse war.
Der Mann ging in sein Haus hinein und holte ein mit Federn gefülltes Kissen. Er nahm eine Schere, schnitt das Kissen auf und warf die weichen leichten Federn in die Luft. Da es an diesem Tag sehr windig war, wurden sie Federn schnell von dem Wind hinweg getragen. Der Nachbar schaute fragend und leicht irritiert, sagte aber nichts dazu. Nachdem beide eine Weile den Federn beim Fliegen zugeschaut hatten sprach der Mann: "So, Herr Nachbar, Sie werden jetzt jede einzelne der Federn wieder einsammeln und zurück in dieses Kissen legen."
Der Nachbar bekam große Augen und stammelte: "Das geht doch nicht! Das ist unmöglich, Verlangen Sie das bitte nicht von mir! Ich kann doch unmöglich all die Federn wieder einsammeln! Inzwischen hat der Wind sie in alle Himmelsrichtungen getragen. Es ist doch unmöglich sie alle wieder einzusammeln!!?"
Der Mann nickte ernst: "Sehen Sie! Genau so ist es mit den Verleumdungen. Einmal ausgestreut, laufen sie durch alle Winde, wir wissen nicht wo sie ankommen und auch nicht bei wem. Wie können Sie die Verleumdung also einfach wieder zurücknehmen?"
Mach den ersten Schritt
Stelle dir vor, du stehst vor einem 2000m großen Berg und hast die Absicht den Gipfel zu erreichen.
Auf den ersten Blick erscheint das Ziel unerreichbar.
Die meisten Menschen geben bei dem Gefühl „das schaff ich ja nie“ gleich auf.
Nicht aufgeben! Sondern einfach erst mal loslaufen!!!
Behalte das Bild vor Augen („der Gipfel“) und du hast ein Motiv („Bild“).
Durch dieses Motiv entsteht deine Motivation, das Ziel zu erreichen.
Stell dir des Weiteren vor, du fährst nachts auf der Autobahn in einem Auto von Berlin nach Hamburg. Natürlich kannst du das Ziel „Hamburg“ ja noch nicht sehen. Sondern du siehst im Dunkeln durch die Beleuchtung der Scheinwerfer des Autos nur die ersten 500 Meter. Obwohl das Endziel noch nicht sichtbar ist, hast du aber dein Motiv im Kopf, somit besteht darin deine Motivation dein Ziel zu erreichen und du bist losgefahren. Und du kommst an!
So läuft es immer im Leben! Egal wie groß und weit entfernt dein Wunsch auch liegen mag….
Geh einfach los! Mach einfach den ersten Schritt.
(Christiane Krohn)
Vorstellung und Wirklichkeit
Einmal lief ich an einem Berghang entlang.
Ich schaute mir die schönen Bäume an, genoss den Duft des Waldes und lauschte den zwitschernden Vögeln.
Plötzlich trat ich auf einen Stein, rutschte aus und sah mich den Berghang hinabrollen.
Dann wachte ich auf und bemerkte, dass ich nur geträumt hatte.
Da begriff ich -
So hart die Träume und unsere Vorstellungen auch sein mögen, die Wirklichkeit entspricht dem nie!
Der alte Großvater und sein Enkel
Es war einmal ein Großvater, der schon sehr, sehr alt war. Seine Beine gehorchten ihm nicht mehr, die Augen sahen schlecht, die Ohren hörten nicht mehr viel und Zähne hatte er auch keine mehr. Wenn er aß, floss dem alten Mann die Suppe aus dem Mund.
Der Sohn und die Schwiegertochter ließen ihn deshalb nicht mehr am Tisch essen, sondern brachten ihm sein Essen hinter den Ofen, wo er in seiner Ecke saß.
Eines Tages, als man ihm die Suppe in einer Schale hingetragen hatte, ließ er die Schale fallen und sie zerbrach.
Die Schwiegertochter machte dem Greis Vorwürfe, dass er ihnen im Haus alles beschädige und das Geschirr zerschlage, und sagte, dass sie ihm von jetzt an das Essen in einem Holzschüsselchen geben werde.
Der Greis seufzte nur und sagte nichts. Als der Mann und die Frau einige Tage später zu Hause beisammen saßen, sahen sie, dass ihr Söhnchen auf dem Fußboden mit kleinen Brettern spielte und etwas zimmerte.
Der Vater fragte ihn: "Was soll das denn werden, Mischa?" Und Mischa antwortete: "Das soll ein Holzschüsselchen werden, Väterchen. Daraus werde ich dir und der Mutter zu essen geben, wenn Ihr alt geworden seid." Der Mann und die Frau sahen sich an und weinten.
Ihnen wurde plötzlich bewusst, wie sehr sie den Greis gekränkt hatten und sie schämten sich. Fortan ließen sie ihn wieder am Tisch sitzen und waren freundlich zu ihm.
(Lew Tolstoi)
Die Weisheit des Universums
Vor langer Zeit überlegten die Götter, dass es sehr schlecht wäre, wenn die Menschen die Weisheit des Universums finden würden, bevor sie tatsächlich reif genug dafür wären.
Also entschieden die Götter, die Weisheit des Universums so lange an einem Ort zu verstecken, wo die Menschen sie solange nicht finden würden, bis sie reif genug sein würden.
Einer der Götter schlug vor, die Weisheit auf dem höchsten Berg der Erde zu verstecken.
Aber schnell erkannten die Götter, dass der Mensch bald alle Berge erklimmen würde und die Weisheit dort nicht sicher genug versteckt wäre.
Ein anderer schlug vor, die Weisheit an der tiefsten Stelle im Meer zu verstecken.
Aber auch dort sahen die Götter die Gefahr, dass die Menschen die Weisheit zu früh finden würden.
Dann äußerte der weiseste aller Götter seinen Vorschlag: "Ich weiß, was zu tun ist. Lasst uns die Weisheit des Universums im Menschen selbst verstecken.
Er wird dort erst dann danach suchen, wenn er reif genug ist, denn er muss dazu den Weg in sein Inneres gehen." Die anderen Götter waren von diesem Vorschlag begeistert und so versteckten sie die Weisheit des Universums im Menschen selbst.
(Verfasser unbekannt)
Das Geheimnis des Lebens
Einmal kam ein sehr ungeduldiger und ungestümer Schüler zum Meister.
Er bedrängte den Weisen mit der Frage:
"Meister, so verratet mir doch, was das Geheimnis des Lebens ist!"
Der Meister fragte den Schüler:
"Kannst du denn ein Geheimnis für dich behalten?"
Voller Erwartung nickte der Schüler eifrig:
"Ja, natürlich kann ich das. Meister - selbstverständlich."
Der Meister schickte sich an, den Raum zu verlassen.
Er drehte sich an der Tür noch einmal um und sagte: "Siehst du, ich auch."
(Marco Aldinger)
Die Frösche und das kochende Wasser
Es war einmal ein alter Mann, der vor seiner Hütte saß und über das Leben nachdachte.
Und während er so da saß, entdeckte er am Ufer des kleinen Sees einen Frosch.
Der alte Mann packte den Frosch und nahm ihn mit in seine Hütte, wo er ihn sogleich in einen großen Topf mit kochendem Wasser gab. Der Frosch machte einen entsetzten Sprung heraus aus dem Topf und sprang schnell wieder aus der Hütte hinaus, noch eher der alte Mann es recht bemerkte. Wieder saß der alte Mann vor seiner Hütte - und wieder dachte er über das Leben nach. Er dachte an den Frosch, der sich sicherlich ordentlich verbrannt hatte, sich aber beherzt der Situation entzogen hatte, um weiter leben zu können. Da bemerkte der alte Mann wiederum einen Frosch am Ufer des Sees und der alte Mann nahm auch diesen Frosch mit in die Hütte. Da er dieses Mal keinen Topf mit kochendem Wasser auf dem Ofen stehen hatte, setzte er den Frosch in einen Topf mit kaltem Wasser und zündete dann den Ofen an und setzte kurze Zeit später den Topf auf das Feuer. Zu seinem Erstaunen stellte der alte Mann fest, dass der Frosch im Topf sitzen geblieben war und auch weiter blieb. Das Wasser wurde immer wärmer, schließlich heiß und dann kochend, doch der Frosch blieb selbst im kochenden Wasser sitzen und machte keinerlei Anstalten der bedrohlichen Situation zu entkommen. Der alte Mann freute sich über das unerwartete Abendmahl und dachte weiter über das Leben nach, während er genüßlich seine Froschsuppe schlürfte. Eine Frage ließ dem alten Mann einfach keine Ruhe: warum war der Frosch nicht irgendwann doch aus dem immer heißer werdenden Wasser gesprungen, sondern lieber gestorben, als sich zu retten? Der alte Mann dachte an die Menschen und er glaubte, eine gewisse Ähnlichkeit im Verhalten des Frosches und der Menschen entdeckt zu haben. Gab es nicht auch Menschen, die in ihrem Leben nichts änderten, obwohl es ihnen immer schlechter und schlechter ging oder eine Situation immer bedrohlicher wurde? Lieber starben diese Menschen, als sich durch einen beherzten Sprung heraus aus der Problemsituation zu retten? Oder hatte der Frosch erst viel zu spät bemerkt, wie heiß das Wasser war und er hatte dann keine Kraft mehr für die rettende Veränderung gehabt und ergab sich so seinem Schicksal? Geht es etwa vielen Menschen auch so? Und wenn die Verschlechterungen nicht schleichend, sondern schlagartig kämen, würden die Menschen dann aus dem kochenden Wasser springen?
(Frank Obels)
Den Augenblick leben
Es kamen einmal ein paar Suchende zu einem alten Meister. Sie fragten ihn:
"Was tust du, um glücklich und zufrieden zu sein? Wir wären auch gerne so glücklich wie du."
Der Alte antwortete mit mildem Lächeln: "Wenn ich liege, dann liege ich. Wenn ich aufstehe, dann stehe ich auf.
Wenn ich gehe, dann gehe ich und wenn ich esse, dann esse ich."
Die Fragenden schauten etwas betreten in die Runde. Einer platzte heraus: "Bitte, treibe keinen Spott mit uns.
Was du sagst, tun wir auch. Wir schlafen, essen und gehen. Aber wir sind nicht glücklich. Was ist also dein Geheimnis?"
Es kam die gleiche Antwort: "Wenn ich liege, dann liege ich. Wenn ich aufstehe, dann stehe ich auf. Wenn ich gehe, dann gehe ist und wenn ich esse, dann esse ich."
Die Unruhe und den Unmut der Suchenden spürend fügte der Meister nach einer Weile hinzu:
"Sicher liegt auch Ihr und Ihr geht auch und Ihr esst. Aber während Ihr liegt, denkt Ihr schon ans Aufstehen. Während Ihr aufsteht, überlegt Ihr wohin Ihr geht und während Ihr geht, fragt Ihr Euch, was Ihr essen werdet. So sind Eure Gedanken ständig woanders und nicht da, wo Ihr gerade seid. In dem Schnittpunkt zwischen Vergangenheit und Zukunft findet das eigentliche Leben statt. Lasst Euch auf diesen nicht messbaren Augenblick ganz ein und Ihr habt die Chance, wirklich glücklich und zufrieden zu sein."
(eingereicht von Sandra - vielen Dank!)
Jetzt reicht es aber
Nach vielen Jahren eines langen Schlafes wacht Dornröschen eines Tages auf.
Doch niemand ist da, um sie zu erlösen.
So schläft sie wieder ein. Jahre vergehen und Dornröschen wacht wieder auf.
Sie schaut nach links und rechts, nach oben und unten, aber wieder ist niemand da - weder ein Prinz noch ein Gärtner, der sie retten will.
Und so schläft sie wieder ein.
Schließlich wacht sie zum dritten Mal auf.
Sie öffnet ihre schönen Augen, kann aber abermals niemanden erblicken.
Da sagt sie zu sich selbst:
"Jetzt reicht es aber!", steht auf und sie ist erlöst.
(Norbert Mayer)
Alles ist gut so wie es ist
Es war einmal ein Kalif, der wollte gerne alle Weisheiten erfahren. Da ihn aber seine Regierungsgeschäfte im Palast festhielten, schickte er jedes Jahr seinen Großwesir zu einem Weisen in seinem Lande, damit er wieder eine neue Weisheit für ihn erlerne.
Jedes Mal wartete er voller Ungeduld auf die Rückkehr seines Großwesirs und als dieser wieder einmal von einer Reise zurückkehrte, fragte ihn der Kalif gleich: "Nun, welche Weisheit hast du denn dieses Mal mitgebracht?"
Der Großwesir antwortete: "Alles ist gut."
"Ja schön!" sagte der Kalif. "Was hast du noch gelernt?"
Aber der Großwesir sagte wieder nur: "Alles ist gut, so wie es ist."
"Das mag ja sein", erwiderte der Kalif, jetzt schon ungeduldig, "aber welche Weisheit hast du denn noch mitgebracht?"
Doch der Großwesir antwortete wieder nur: "Alles ist gut, so wie es ist."
Da wurde der Kalif richtig wütend, denn damit war er gar nicht zufrieden und, um sich abzulenken, ließ er seinen Barbier rufen, damit er ihm den Bart schneide.
Weil der Kalif aber so wütend und unruhig war, schnitt ihm der Barbier aus Versehen in die Wange.
Da wurde der Kalif erst richtig wütend und ließ seinen Barbier in den Kerker werfen. Seinen Großwesir aber fragte er: "Findest du auch das gut, dass mich der Barbier jetzt in die Wange geschnitten hat?"
Der Großwesir aber antwortete wieder nur ganz ruhig: "Alles ist gut, so wie es ist."
Jetzt wurde der Kalif so wütend wie nie zuvor und ließ sogar seinen Großwesir in den Kerker werfen. Und um seine Ruhe wieder zu finden, ließ er sein Pferd satteln und ritt wütend immer weiter und weiter, ohne auf Weg und Steg zu achten.
So kam er in das Land der Menschenfresser. Die fingen ihn ein und wollten ihn gerade fressen, da entdeckten sie den Schnitt in seiner Wange. Angewidert setzten sie ihn auf sein Pferd und schickten ihn wieder zurück, denn sie fraßen nur makellose Menschen.
Der Kalif ritt froh und dankbar wieder nach Hause und machte sich Vorwürfe wegen seiner Ungerechtigkeiten. Erst jetzt erkannte er die Weisheit und wie gut es war, dass der Barbier ihn geschnitten hatte.
Als er im Palast angekommen war, ließ er sofort den Barbier frei, öffnete selbst seinem Großwesir die Kerkertür und entschuldigte sich immer wieder für seine große Ungerechtigkeit .
Aber der Großwesir antwortete wieder nur: "Alles ist gut, so wie es ist."
Darauf sagte der Kalif: "Wenn ich nicht immer noch so traurig und betroffen wäre über meine Ungerechtigkeit, könnte ich schon wieder wütend werden über diese Worte von dir. Was kann denn daran gut sein, dass ich dich in meinem ungerechten Zorn in den Kerker werfen ließ, nur weil du mir eine Weisheit sagtest, die ich damals noch nicht verstand?"
Aber der Großvisier sagte wieder nur: "Alles ist gut, so wie es ist. Denn siehe, wenn du mich nicht hättest in den Kerker werfen lassen, wäre ich selbstverständlich bei deinem Ritt wie immer an deiner Seite gewesen und mit dir gefangen worden. Mich hätten die Menschenfresser aber gefressen, denn mein Körper ist makellos."
Und da erkannte auch der Kalif endlich die große Weisheit:
Alles ist gut, so wie es ist.
Adler oder Muschel?
Nachdem Gott die Welt erschaffen hatte, begann er damit die Lebewesen zu entwickeln. Als erstes erschuf er die Muschel. Die Muschel hatte ein recht langweiliges Leben. Den ganzen Tag filterte sie Wasser. Den ganzen Tag hieß es für sie also "Klappe auf; Klappe zu; Klappe auf; Klappe zu; Klappe auf..." Dann erschuf Gott den Adler. Dem Adler gab Gott die Freiheit, mit seinen weiten Schwingen über Berge, Meere und Täler zu fliegen. Aber er übergab dem Adler auch die Verantwortung für seine Jungen. Dann erschuf Gott den Menschen. Erst brachte er ihn zu der Muschel "Klappe auf; Klappe zu; Klappe auf; Klappe zu" und dann zum Adler, der frei über den Klippen schwebte und für seine Jungen das Futter erjagen musste. Und der Mensch sollte sich entscheiden, welches Leben er führen will. Tatsächlich stehen wir auch heute noch vor der gleichen großen Entscheidung: Wollen wir das Leben der Muschel oder wählen wir das Leben des Adlers?
(nach einer alten indischen Schöpfungsgeschichte)
Anbetung
Einmal wurde ein Meister von seinem Schülern sehr stark verehrt.
Sie sahen in ihm eine Art inkarnierter Gottheit und beteten ihn an.
Einer der Schüler wagte eines Tages dem Meister eine Frage zu stellen:
"Sag mir bitte, oh Meister, warum kamst Du in diese Welt?"
Der Meister blickte seinen Schüler an und sagte:
"Um Narren wie Dich zu lehren, ihre Zeit nicht mit der Anbetung von Meistern zu verschwenden."
(Anthony de Mello)
Die Palme
Es war einmal ein Mensch, der konnte nichts Schönes und Gesundes ertragen.
Als er in einer Oase einen jungen Palmbaum im schönsten Wuchs fand, nahm er einen schweren Stein und legte ihn der jungen Palme mitten in die Krone. Mit einem Lachen ging er weiter.
Die Palme versuchte die Last abzuwerfen. Sie schüttelte und bog sich. Vergebens.
Sie krallte sich tiefer in den Boden, bis ihre Wurzeln verborgene Wasseradern erreichten. Diese Kraft aus der Tiefe und die Sonnenglut aus der Höhe machten sie zu einer königlichen Palme, die auch den Stein hochstemmen konnte.
Nach Jahren kam der Mann wieder, um sich an dem vermeintlichen Krüppelbaum zu erfreuen.
Da senkte die kräftige Palme ihre Krone, zeigte den Stein und sagte: "Ich muß dir danken.
Deine Last hat mich stark gemacht."
(tunesischer Ursprung)
Über das Glück
Ein Geschäftsmann kam zum Meister und wollte von ihm wissen,
was das Geheimnis eines erfolgreichen Lebens sei.
Sagte der Meister: "Mach jeden Tag einen Menschen glücklich!"
Und er fügte nach einer Weile hinzu: "... selbst wenn dieser Mensch du selbst bist."
Und noch ein wenig später sagte er:
"Vor allem, wenn dieser Mensch du selbst bist."
Keine Zeit
Ein Mann geht im Wald spazieren.
Nach einer Weile sieht er einen Holzfäller, der hastig und sehr angestrengt dabei ist, einen auf dem Boden liegenden Baumstamm zu zerteilen.
Er stöhnt und schwitzt und scheint viel Mühe mit seiner Arbeit zu haben.
Der Spaziergänger geht etwas näher heran, um zu sehen, warum die Arbeit für den anderen so schwer ist.
Schnell erkennt er den Grund und sagt zu dem Holzfäller:
"Guten Tag. Ich sehe, dass Sie sich Ihre Arbeit unnötig schwer machen.
Ihre Säge ist ja ganz stumpf - warum schärfen Sie sie denn nicht?"
Der Holzfäller schaut nicht einmal hoch, sondern zischt durch die Zähne:
"Dazu habe ich keine Zeit, ich muss doch sägen!"
(Stephen Covey)
Das Glück ist ein Schmetterling
"Das Glück ist ein Schmetterling", sagte der Meister.
"Jag ihm nach und er entwischt dir. Setz dich hin, und er lässt sich auf deiner Schulter nieder."
"Was soll ich also tun, um das Glück zu erlangen?" fragte der Schüler.
"Hör auf, hinter ihm her zu sein."
"Aber gibt es nichts, was ich tun kann?"
"Du könntest versuchen, dich ruhig hinzusetzen, wenn du es wagst."
Lebenslange Geburt
"Die Geburt ist nicht ein augenblickliches Ereignis, sondern ein dauernder Vorgang.
Das Ziel des Lebens ist es, ganz geboren zu werden,
und seine Tragödie, dass die meisten von uns sterben, bevor sie ganz geboren sind.
Zu leben bedeutet, jede Minute geboren zu werden.
Der Tod tritt ein, wenn die Geburt aufhört."
(Erich Fromm)
Das Geschenk
Ein alter Mann saß in einem Bus.
In seinem Arm hielt er einen wundervollen Blumenstrauß.
Ein junges Mädchen konnte ihren Blick nicht von der Blumenpracht lassen.
Immer wieder schaute sie zu den bunten Blüten und lächelte scheu.
Kurz vor der nächsten Haltestelle stand der Mann auf und ging zu dem Mädchen.
Er reichte ihr den Strauß und sagte: "Ich habe gesehen, dass du diese Blumen liebst. Sie sind eigentlich für meine Frau.
Aber ich denke, meine Frau würde gerne, dass du sie bekommst.
Ich gehe jetzt zu ihr und erzähle ihr, dass ich dir die Blumen geschenkt habe."
Das Mädchen nahm den Strauß mit einem nun strahlenden Lächeln.
Als der alte Mann ausstieg, sah sie ihm noch nach.
Und er verschwand durch ein Tor, welches zu einem kleinen Friedhof gehörte.
Himmel und Hölle
Ein sehr kämpferischer und aggressiver Samurai forderte einmal einen Zenpriester auf,
ihm zu erklären, was Himmel und was Hölle ist.
Der weise Priester erwiderte verächtlich:
"Du bist nichts als ein Flegel, mit deinesgleichen vergeude ich nicht meine Zeit!"
Da war der Samurai natürlich in seiner Ehre getroffen und wurde rasend vor Wut.
Er zog sein Schwert aus der Scheide und schrie den Priester an:
"Für deine Frechheit sollst du sterben!"
"Das ist", gab ihm der Priester gelassen zurück, "die Hölle."
Verblüfft von der Erkenntnis der Wahrheit dessen, was der Priester über die Wut gesagt hatte, die er gerade erlebt hatte, beruhigte sich der Samurai.
Er steckte das Schwert in die Scheide und dankte dem Priester mit einer Verbeugung für die Einsicht.
"Und das", sagte der Priester, "ist der Himmel."
Die 3 Siebe
Eines Tages wurde der Philosoph Sokrates von einem Mann besucht.
"Hör zu!", sagte der Mann.
"Ich will dir mal etwas über das Benehmen deines Freundes erzählen."
"Halt ein!", forderte Sokrates.
"Bevor du mir die Geschichte erzählst, solltest du sie unbedingt vorher durch die drei Siebe geben."
"Welche drei Siebe?", wunderte sich der Mann.
"Nun, zuerst solltest du deine Gedanken durch das Sieb der Wahrheit geben", riet ihm Sokrates.
"Hast du auch geprüft, ob das, was du mir erzählen wirst, auch wahr ist?"
"Ob die Geschichte wahr ist, weiß ich nicht", sagte der Mann.
"Ich habe diese Geschichte selbst nur gehört."
"Aber ich nehme doch an, dass du deine Geschichte durch das Sieb der Güte hast gehen lassen", fuhr Sokrates fort.
"Die Geschichte, die du mir erzählen wirst, ist doch eine gute Sache, oder?"
"Aber nein, im Gegenteil!", rief der Mann.
"Aha", bemerkte der Philosoph."Kommen wir wenigstens zum dritten Sieb.
Hat die Geschichte, die du mir erzählen wirst, denn einen Nutzen?"
"Nutzen? Nicht unbedingt", überlegte der Mann.
"Dann will ich diese Geschichte auch nicht hören", entschied Sokrates.
"Wenn das, was du mir erzählen wirst, weder wahr noch gut ist und noch nicht einmal einen Nutzen hat, rate ich dir, sie am besten gleich selbst zu vergessen."
Zwei Wölfe
Ein alter Indianer saß mit seinem Enkelsohn am Lagerfeuer. Es war schon dunkel geworden und das Feuer knackte, während die Flammen in den Himmel züngelten.
Der Alte sagte nach einer Weile des Schweigens: "Weißt du, wie ich mich manchmal fühle? Es ist, als ob da zwei Wölfe in meinem Herzen miteinander kämpfen würden. Einer der beiden ist rachsüchtig, aggressiv und grausam. Der andere hingegen ist liebevoll, sanft und mitfühlend."
"Welcher der beiden wird den Kampf um dein Herz gewinnen?" fragte der Junge.
"Der Wolf, den ich füttere." antwortete der Alte.
Das goldene Verpackungspapier
Vor einiger Zeit hat ein Mann seine 5 Jahre alte Tochter für das Vergeuden einer Rolle von kostspieligem Goldverpackungspapier bestraft.
Geld war knapp und er wurde wütend, als das Kind das ganze Goldpapier verbraucht hat, um eine Schachtel zu verzieren, um sie unter den Weihnachtsbaum zu legen.
Dennoch brachte das kleine Mädchen am folgenden Morgen die Geschenkeschachtel ihrem Vater und sagte:
"Das ist für dich, Papa."
Der Vater war verlegen, weil er am Vortag so überreagiert hatte. Er öffnete die Geschenkeschachtel und wurde wieder sehr zornig, als er sah, dass diese leer war.
Wütend sagte er zu ihr: "Weißt du nicht, junge Dame, dass wenn man jemand ein Geschenk gibt, auch etwas in der Verpackung sein soll?"
Das kleine Mädchen betrachtete ihn mit Tränen in den Augen und sagte: "Papa, sie ist nicht leer, ich habe so viele Küsse hineingegeben, bis sie ganz voll war."
Der Vater war ganz zerknirscht. Er fiel auf seine Knie und legte seine Arme um sein kleines Mädchen und bat sie, ihm seinen unnötigen Zorn zu verzeihen.
Nur kurze Zeit später starb das kleine Mädchen bei einem Unfall.
Nach dem Tod seines kleinen Mädchens behielt der Vater sein ganzes Leben lang die Goldschachtel neben seinem Bett. Immer wenn er durch schwierige Probleme entmutigt wurde, öffnete er seine Goldschachtel und stellte sich vor, einen Kuss von seinem kleinen Mädchen heraus zu nehmen und erinnerte sich dabei an die Liebe des Kindes, die sie dort hineingegeben hatte.
Jeder von uns hat so eine goldene Schachtel, die gefüllt ist mit unbedingter Liebe und Küssen von unseren Kindern, von Familie und von Freunden.
Das ist der kostbarste Besitz, den man haben kann.
Das Urteil der Mitmenschen
Ein Mann hatte einen Sohn, der sich nicht aus dem Haus traute, weil er sich so hässlich fand.
"Was werden die anderen sagen, wenn sie mich sehen", sagte er immer.
"Höre nicht auf die Leute", riet ihm der Vater.
"Du wirst sehen, sie reden und reden, und es ist doch ohne Bedeutung."
Am nächsten Tag gingen die beiden gemeinsam auf den Markt. Der Alte ritt, der Sohn lief nebenher.
Als sie auf dem Markt ankamen, schüttelten die Menschen über ihn den Kopf.
"Schaut euch nur die beiden an", sagten sie.
"Da sitzt der Alte gemütlich auf dem Esel und der junge Mann muss laufen."
"Hörst du?", sagte der alte Mann zu seinem Sohn.
"Morgen kommen wir wieder."
Am nächsten Tag gingen sie wieder zum Markt, dieses Mal aber saß der Sohn auf dem Esel und der Vater lief nebenher.
"Seht euch die beiden an!", riefen die Leute.
"Dieses ungezogene Kind lässt sich tragen, und der alte Mann schleppt sich mühsam durch den Staub."
"Hast du gehört?", sagte der Vater.
"Morgen gehen wir wieder auf den Markt."
Am nächsten Tag gingen Vater und Sohn zu Fuß, dabei führten sie den Esel am Strick.
"Schaut euch diese Dummköpfe an!", lachten die Händler.
"Sie laufen zu Fuß. Wissen sie denn nicht, dass man einen Esel reitet?"
"Hast du auch das gehört?", fragte der Vater.
Als die beiden auf den Marktplatz kamen, saßen sie beide auf dem Esel.
Die Händler schüttelten empört die Köpfe.
"Das arme Tier!", riefen sie.
"Haben sie denn kein Herz?"
Als sie am fünften Tage auf dem Marktplatz erschienen, brachen die Menschen in schallendes Gelächter aus.
Vater und Sohn trugen nämlich den Esel auf dem Rücken.
"Was sind das denn für Tölpel!", lachten die Leute.
"Tragen den Esel, statt ihn zu reiten!"
Zu Hause setzte sich der Vater zu seinem Sohn.
"Hast du nun gehört, mein Sohn?", fragte er.
"Egal, was du tust, die Menschen haben immer etwas daran auszusetzen.
Darum ist es wichtig, dass du so handelst, wie du es für richtig hältst und deinen Weg gehst."
Der verzagte Baumwollfaden
Es war einmal ein kleiner weißer Baumwollfaden, der hatte ganz viel Angst, dass er so wie er war, zu nichts nutze sei.
Ganz verzweifelt dachte er immer wieder: "Ich bin nicht gut genug, ich tauge zu nichts. Für einen Pullover bin ich viel zu kurz. Selbst für einen winzig kleinen Puppenpullover tauge ich nichts! Für ein Schiffstau bin ich viel zu schwach. Nicht mal ein Hüpfseil kann ich aus mir machen lassen! Mich an andere kräftige, dicke, lange Fäden anknüpfen kann ich nicht, die lachen doch sowieso über mich. Für eine Stickerei eigne ich mich auch nicht, dazu bin ich zu blaß und zu farblos. Ja, wenn ich aus Goldgarn wäre, dann könnte ich eine Stola verzieren oder ein Kleid... Aber so?! Ich bin zu gar nichts nütze. Was kann ich schon? Niemand braucht mich. Keiner beachtet mich. Es mag mich sowieso niemand."
So sprach der kleine weiße Baumwollfaden mit sich - Tag für Tag. Er zog sich ganz zurück, hörte sich traurige Musik an und weinte viel. Er gab sich ganz seinem Selbstmitleid hin.
Eines Tages klopfte seine neue Nachbarin an der Tür: ein kleines weißes Klümpchen Wachs. Das Wachsklümpchen wollte sich bei dem Baumwollfaden vorstellen. Als es sah, wie traurig der kleine weiße Baumwollfaden war und sich den Grund dafür erzählen ließ, sagte es: "Lass dich doch nicht so hängen, du schöner, kleiner, weißer Baumwollfaden. Mir kommt da so eine Idee: wir beide sollten uns zusammen tun! Für eine Kerze am Weihnachtsbaum bin ich zu wenig Wachs und du als Docht zu klein, doch für ein Teelicht reicht es allemal. Es ist doch viel besser, ein kleines Licht anzuzünden, als immer nur über die Dunkelheit zu klagen!"
Da war der kleine weiße Baumwollfaden ganz glücklich und tat sich mit dem kleinen weißen Klümpchen Wachs zusammen und sagte: "Endlich hat mein Dasein einen Sinn."
Wer weiß, vielleicht gibt es in der Welt noch viele kleine weiße Baumwollfäden und viele kleine weiße Wachsklümpchen, die sich zusammentun könnten, um der Welt zu leuchten?!
Der weise alte Mann
Ein 92-jähriger Mann, klein und in guter Verfassung, der großen Wert auf sein Äußeres legte, begibt sich in ein Altersheim.
Seine Frau war kürzlich im Alter von 90 Jahren gestorben und er sieht sich veranlaßt, seine Wohnung zu räumen.
Nachdem er mehrere Stunden in der leeren Heim-Lobby gewartet hatte, lächelte er freundlich, als man ihm sagte, sein Zimmer sei nun fertig.
Als er langsam, auf seinen Stock gestützt, zum Aufzug geht, beschreibe ich ihm seinen kleinen Raum, einschließlich dieses vor dem Fenster hängenden Lakens, welches als Vorhang dient.
"Mir gefällt es sehr gut," sagte er, mit der Begeisterung eines 8-jährigen Kindes, dem man gerade eine neue Puppe schenkte.
"Mr. Gagné, Sie haben doch den Raum noch gar nicht gesehen. Ein wenig Geduld nur - wir sind gleich da."
"Das hat damit nichts zu tun." antwortet er.
"Glück ist etwas, was ich in Erwartung wähle. Ob ich den Raum nun mag oder nicht, das hängt nicht von den Möbeln oder der Dekoration ab - vielmehr davon, wie ich ihn sehen will.
Ich habe in meinem Kopf bereits entschieden, dass ich diesen Raum mag. Es ist eine Entscheidung, der ich mich jeden Morgen, wenn ich aufwache, stets erneut besinne.
Ich kann wählen. Ich kann im Bett liegen bleiben und all die Probleme aufzählen, die ich mit den Teilen meines Körpers habe, die nicht mehr in Ordnung sind oder ich kann aufstehen und dem Himmel Dank sagen für das, was mir noch an Gesundheit gegeben ist.
Jeder Tag ist ein Geschenk und solange ich meine Augen öffnen kann, will ich sie auf den neuen Tag richten und alle die glücklichen Stunden, die ich in meinen Leben erleben konnte.
Das Alter ist wie ein Bankkonto. Du hebst im späteren Leben das ab, was du im Verlaufe deines Lebens entlang deines Lebensweges deponiert hast.
Mein Hinweis ist: deponiere alles Glück, welches Du erlangen kannst, auf der Bank Deiner Erinnerungen.
Erinnere Dich stets dieses einfachen Leitfadens für das Glück.
1. Befreie Dein Herz von Hass
2. Lebe bescheiden
3. Gebe viel
4. Erwarte wenig
Das Brot der Hoffnung
Ein Professor der Medizin stirbt und seine drei Söhne lösen seinen Haushalt auf. Die Mutter war schon lange vorher gestorben und der Vater hatte mit einer langjährigen Haushälterin allein gelebt. Im Arbeitszimmer des Vaters fanden die Söhne neben vielen wertvollen Dingen in einem Schrank ein steinhartes, vertrocknetes, halbes Brot. Die Haushälterin wußte, was es damit auf sich hatte.
In den ersten Jahren nach dem Krieg war der Professor todkrank. Da schickte ihm ein guter Freund ein halbes Brot, damit der Professor etwas zu essen hatte. Der aber dachte an die viel jüngere Tochter eines Nachbarn und ließ dem Mädchen das Brot schicken. Die Nachbarsfamilie aber mochte das wertvolle Brot nicht für sich behalten und gab es weiter an eine arme alte Witwe, die oben im Haus in einer kleinen Dachkammer hauste. Die alte Frau aber brachte das Brot ihrer Tochter, die mit zwei kleinen Kindern ein paar Häuser weiter wohnte und nichts zu essen hatte für die Kinder. Die Mutter dachte, als sie das Brot bekam, an den Medizinprofessor, der todkrank lag. Sie sagte sich, dass er ihrem Jungen das Leben gerettet und kein Geld dafür genommen hatte. Nun hatte sie eine gute Gelegenheit, es ihm zu danken, und ließ das Brot zum Professor bringen.
"Wir haben das Brot sofort wieder erkannt," sagte die Haushälterin, "unter dem Brot klebte immer noch das kleine Papierstückchen."
Als der Professor sein Brot wieder in der Hand hielt, sagte er: "Solange noch Menschen unter uns leben, die so handeln, braucht uns um unsere Zukunft nicht bange zu sein. Dies Brot hat viele satt gemacht, obwohl keiner davon gegessen hat. Dies Brot ist heilig. Es gehört Gott!"
So legte er es in den Schrank. Er wollte es immer wieder ansehen, wenn er mal nicht weiter wußte und die Hoffnung verlor.
Es war das Brot der Hoffnung.
Das Adler-Ei
Ein Bauer fand einmal ein Adler-Ei und legte es einer seiner Hennen im Hühnerhof ins Nest.
Der Adler wurde zusammen mit den Küken ausgebrütet und wuchs mit ihnen auf.
Da er sich für ein Huhn hielt, gackerte er. Er schlug mit den Flügeln und flatterte immer nur höchstens einen oder anderthalb Meter in die Höhe. Wie ein anständiges Huhn. Und er scharrte in der Erde nach Würmern und Insekten.
So verging Jahr um Jahr und der Adler wurde alt. Eines Tages sah er einen prächtigen Vogel, der hoch oben am Himmel majestätisch seine Kreise zog. Bewundernd blickte der alte Adler nach oben.
„Wer ist das?“ fragte er ein Huhn, dass gerade neben ihm stand. „Das ist der Adler, der König der Vögel“, antwortete das Huhn. „Wäre es nicht herrlich, wenn wir auch so hoch am Himmel kreisen könnten?“ „Vergiß es“, sagte das Huhn. „Wir sind Hühner.“
Also vergaß der Adler es wieder. Und er lebte und starb in dem Glauben, ein Huhn gewesen zu sein...
(eingereicht von Thomas Rettberg - vielen Dank!)
Wettlauf der Frösche
Eines Tages entschieden die Frösche, einen Wettlauf zu veranstalten. Um es besonders schwierig zu machen, legten sie als Ziel fest, auf den höchsten Punkt eines großen Turms zu gelangen.
Am Tag des Wettlaufs versammelten sich viele andere Frösche, um zuzusehen.
Dann endlich - der Wettlauf begann.
Nun war es so, dass keiner der zuschauenden Frösche wirklich glaubte, dass auch nur ein einziger der teilnehmenden Frösche tatsächlich das Ziel erreichen könne. Statt die Läufer anzufeuern, riefen sie also "Oje, die Armen! Sie werden es nie schaffen!" oder "Das ist einfach unmöglich!" oder "Das schafft Ihr nie!"
Und wirklich schien es, als sollte das Publikum recht behalten, denn nach und nach gaben immer mehr Frösche auf.
Das Publikum schrie weiter: "Oje, die Armen! Sie werden es nie schaffen!"
Und wirklich gaben bald alle Frösche auf - alle, bis auf einen einzigen, der unverdrossen an dem steilen Turm hinaufkletterte - und als einziger das Ziel erreichte.
Die Zuschauerfrösche waren vollkommen verdattert und alle wollten von ihm wissen, wie das möglich war.
Einer der anderen Teilnehmerfrösche näherte sich ihm, um zu fragen, wie er es geschafft hätte, den Wettlauf zu gewinnen.
Und da merkten sie erst, dass dieser Frosch taub war!"
(von Michael Peterson - eingereicht von Lisa aus Berlin- vielen Dank!)
Das bist Du - Tat twam asi
Auf einem Baum sitzen zwei Vögel, einer auf der Spitze und der andere darunter. Der Vogel auf der Spitze ist ruhig, majestätisch und schweigt, in seine eigene Herrlichkeit versunken. Der Vogel auf den unteren Zweigen isst abwechselnd von den süßen und bitteren Früchten und ist bald glücklich, bald unglücklich. Nach einiger Zeit gerät er an eine ungewöhnlich bittere Frucht und fühlt sich angeekelt. Er blickt hinauf und sieht den anderen Vogel mit dem goldenen Gefieder, der weder süße noch bittere Früchte isst, der weder glücklich noch unglücklich ist, sondern ruhig und selbstbewusst. Der untere Vogel möchte auch diesen Zustand erreichen, vergisst es aber bald und wendet sich wieder den Früchten zu. Abermals stößt er auf eine ungewöhnlich bittere Frucht, die ihn unglücklich macht, und wieder blickt er hinauf und versucht, dem oberen Vogel näher zu kommen.
So geschieht es mehrmals, bis er dem oberen Vogel sehr nahe ist und das Licht von dessen Gefieder seinen eigenen Körper umhüllt. Er spürt einen Wandel und scheint sich aufzulösen. Er kommt noch näher, und alles um ihn herum scheint zu verschwinden. Schließlich begreift er den wunderbaren Wandel. Der untere Vogel war nur ein Schatten, eine Reflexion des oberen. Er war in Wirklichkeit immer der obere Vogel gewesen. Sein Kosten der süßen und bitteren Früchte, sein Weinen und Glücklichsein waren nur ein Traum. Der wirkliche Vogel war da oben, ruhig, herrlich und majestätisch, jenseits von Leid und Kummer.
Der obere Vogel ist Gott, Herr des Universums, und der untere Vogel ist die menschliche Seele, die die süßen und bitteren Früchte der Welt genießt. Ab und zu trifft ein heftiger Schlag die Seele. Sie hält im Genießen inne und nähert sich dem unbekannten Gott, und eine Flucht von Licht taucht auf. Sie hält diese Welt für eine leere Schau. Doch die Sinne ziehen sie herab, und wieder genießt sie die süßen und bitteren Früchte der Welt. Wieder trifft sie ein harter Schlag, und wieder öffnet sie sich dem göttlichen Licht. So nähert sie sich langsam Gott, und wenn sie näher rückt, stellt sie fest, dass ihr altes Selbst verschwindet. Ist sie nahe genug gekommen, erkennt sie, dass sie nichts anderes ist als Gott und sie ruft aus:
"Den ich beschrieben habe als das Leben dieses Universums, als gegenwärtig im Atom und in allen Sonnen und Monden - Er ist die Basis unseres Lebens, die Seele unserer Seele, und das bist Du.
(von Swami Vivekananda - eingereicht von Ellen Ortner aus Berlin- vielen Dank!)
Am Suchen...
In Armenien lebte im 18. Jahrhundert ein Ehepaar. Der Mann war ein Cellospieler - einer der Grossen seiner Zeit, der sein Instrument virtuos beherrschte. Je älter er aber wurde, desto weniger spielte er und umso mehr legte er Wert darauf, dieses Wenige in höchster Vollendung zu spielen.
Als er nun ganz alt war, spielte er nur noch einen einzigen Ton, diesen jedoch so wunderbar, wie man es nie zuvor gehört hatte.
Seiner Frau aber war das langweilig - immer der gleiche Ton, wusste sie doch, welch begnadeten Cellospieler sie zum Manne hatte.
Nun geschah es, dass ein Orchester in ihrer Stadt ein Konzert gab. Die Frau ging hin und berichtete ihrem Mann voll Begeisterung: "Es waren viele Cellisten dabei. Sie spielten rauf und runter, die verschiedensten Töne - und du spielst immer nur den einen Ton!"
Darauf der Mann:
"Sie sind noch am Suchen"
(Sufi-Weisheit - eingereicht von Werner Ebling aus der Schweiz- vielen Dank!)
Der Prinz und der Zauberer
Es war einmal ein junger Prinz, der an alles glaubte außer an drei Dinge.
Er glaubte nicht an Prinzessinnen, er glaubte nicht an Inseln und er glaubte nicht an Gott. Sein Vater, der König, sagte ihm, diese Dinge existierten nicht.
Und da es im Reich seines Vaters keine Prinzessinnen oder Inseln und kein Anzeichen von Gott gab, glaubte der junge Prinz seinem Vater.
Aber eines Tages lief der Prinz von dem väterlichen Palast fort. Er kam in das Nachbarland. Dort sah er zu seiner Verwunderung von jeder Küste aus Inseln und auf diesen Inseln seltsame und verwirrende Geschöpfe, die er nicht zu benennen wagte. Während er sich nach einem Boot umsah, kam ihm an der Küste ein Mann im Frack entgegen.
Sind das wirkliche Inseln?" fragte der junge Prinz. Natürlich sind das wirkliche Inseln", sagte der Mann im Frack. Und diese seltsamen und verwirrenden Geschöpfe?" Das sind ganz echte Prinzessinnen." Dann muss Gott auch existieren!" rief der Prinz. Ich bin Gott", erwiderte der Mann im Frack und verbeugte sich.